Betriebsnachfolge im Handwerk: Wenn die Zukunft von der nächsten Generation gestaltet wird.
Einen ganz besonders spannenden Programmpunkt gab es bei der Fachtagung in Dinkelsbühl vom 4. - 6. März 2026: Thema Betriebsnachfolge.
Die beiden Referenten? Andreas und Lukas Romanow.
Manchmal gibt es keinen natürlichen Übergang – weil Kinder andere Wege gehen, weil es keine Nachfolger gibt oder weil die Situation schlicht nicht passt. Umso wertvoller sind Einblicke aus Betrieben, in denen Nachfolge gelingt oder gerade aktiv gestaltet wird.
Genau deshalb berichten Andreas und Lukas Romanow darüber, wie es funktionieren kann. Andreas führt den Malerbetrieb in der zweiten Generation – gegründet 1963 in München-Großhadern – und gemeinsam mit Lukas befindet sich die Familie aktuell mitten im Übergabeprozess.
„Wie kann die Nachfolge gelingen?“ – ein ehrlicher Erfahrungsbericht
Beide machten gleich zu Beginn klar: Es gibt keine Blaupause. Jede Familie, jede wirtschaftliche Ausgangslage und jedes Team ist anders. Ihr Ziel war nicht, eine „perfekte Lösung“ zu präsentieren, sondern Erfahrungswerte zu teilen – offen, persönlich und praxisnah.
Der Weg beginnt früher, als viele denken
Ein zentraler Punkt: Nachfolge entscheidet sich nicht erst beim Notartermin – sondern oft Jahre vorher, im Alltag.
• Positive Betriebskultur vorleben: Wer zuhause ausschließlich über Stress, Ärger und Probleme spricht, macht Selbstständigkeit für die nächste Generation nicht gerade attraktiv.
• Teilhabe ermöglichen: Kinder erleben, wie Entscheidungen entstehen – und dass Unternehmertum auch Sinn, Stolz und Gestaltungsspielraum bedeutet.
• Freiheit statt Erwartungsdruck: Lukas beschreibt, wie wichtig es war, die Entscheidung ohne Druck treffen zu können – und sie schließlich selbst (u. a. während eines Jahres in Australien) getroffen zu haben.
Kernsatz des Abends: Nachfolge funktioniert nur aus einem Grund – weil der/die Nachfolger bzw. die Nachfolgerin wirklich „Bock drauf“ hat.
Ausbildung, Blick über den Tellerrand und bewusstes Hineinwachsen
Lukas ging seinen Weg konsequent mit externer Ausbildung, Gesellen- und Meisterpraxis in anderen Betrieben sowie der Weiterbildung zum Betriebswirt. Das brachte zwei Effekte:
1. fachliche Sicherheit und Perspektivwechsel
2. Akzeptanz im Team, weil der Junior nicht „automatisch Chef“ war, sondern sich Kompetenz erarbeitet.
Für die nächsten Jahre ist ein fließender Übergang geplant: zunächst stark auf der Baustelle, später zunehmend im Büro – Schritt für Schritt.
Familie, Team, Kommunikation – die „weichen“ Faktoren sind hart entscheidend
Mehrfach wurde betont, wie wichtig offene Kommunikation ist – nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Familie:
• Ein gemeinsamer Abend mit allen Geschwistern, um Erwartungen, Werte und mögliche Missverständnisse früh zu klären (Stichwort: Erbmasse, Unternehmenswert, Immobilienwerte).
• Mitarbeitende frühzeitig mitnehmen – nicht „Tadaa, neuer Chef“, sondern Entwicklung transparent machen. Überraschend für Andreas: Die Resonanz im Team war überwiegend positiv, weil Nachfolge auch Sicherheit bedeutet.
Struktur, Recht & Steuern: Professionell begleiten lassen – aber realistisch bleiben
Neben der emotionalen und organisatorischen Vorbereitung läuft parallel die fachliche Klärung:
• Gespräche mit Steuerberater und Rechtsberatung
• Klärung von Übergabemodellen (Schenkung, Verkauf, Pacht etc.)
• Betriebsbewertung (u. a. als Grundlage für Familienabsprachen – und wichtig: in einer Form, die vom Finanzamt anerkannt ist)
• Organisatorische Maßnahmen im Betrieb (Büroumbau, EDV-Modernisierung, Prokura als Signal nach innen und außen)
Dabei wurde auch ein wichtiger Perspektivwechsel angesprochen: Der Nachfolger ist nicht für die Altersvorsorge des Seniors zuständig – das ist Verantwortung der Vorgängergeneration.
Konflikte? Gehören dazu – entscheidend ist der Umgang damit.
In der anschließenden Diskussion wurde auch das angesprochen, was oft nicht öffentlich gesagt wird: Konflikte zwischen „Jung“ und „Alt“. Mehrere Stimmen aus dem Kreis bestätigten:
• Es kann laut werden – wichtig ist, dass es um die Sache geht, nicht um das Private.
• Loslassen ist ein Prozess – und es hilft, wenn der Senior den Übergang als Erfolg erlebt: Lob für den Junior fühlt sich irgendwann besser an als Lob für einen selbst.
Eine Aussage blieb besonders hängen: „Die Übergabe funktioniert dann, wenn sie dein Kind macht.“
Nicht der Senior entscheidet die Zukunft – er kann begleiten. Gestalten muss die nächste Generation.
Fazit: Nachfolge ist machbar – wenn man sie aktiv gestaltet
Der Beitrag von Andreas und Lukas Romanow hat Mut gemacht, weil er gezeigt hat: Nachfolge ist kein einmaliger Akt, sondern ein mehrjähriger Prozess aus Kultur, Vertrauen, Struktur und professioneller Begleitung.
Wer selbst in einer Übergabesituation ist – als Senior oder Junior – konnte aus diesem Programmpunkt konkrete Impulse mitnehmen:
• früh starten,
• offen reden,
• Verantwortung sauber trennen,
• Team und Familie aktiv einbinden,
• und die Zukunft bewusst so bauen, dass sie zur nächsten Generation passt.

